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	<description>Gast im Netz – Titus Gast im Netz: Manchmal böse, manchmal ironisch, immer streng subjektiv.</description>
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		<title>Was ist Journalismus eigentlich wert?</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Apr 2010 19:47:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>titus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auch wenn es vordergründig um die eher nicht so interessante Debatte rund um ein „Leistungsschutzrecht“ für Verlage geht: Was Eva-Maria Schnurr da vor zwei Tagen beim Freitag geschrieben hat, ist bemerkenswert. Gerade wegen der Unaufgeregtheit des Textes haut sie den Verlagen – und auch den in ihnen arbeitenden Journalisten – so einiges um die Ohren. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auch wenn es vordergründig um die eher nicht so interessante Debatte rund um ein „Leistungsschutzrecht“ für Verlage geht: Was <a href="http://www.freitag.de/politik/1016-wie-der-blauflossenthunfisch">Eva-Maria Schnurr da vor zwei Tagen beim <em>Freitag</em> geschrieben hat</a>, ist bemerkenswert. Gerade wegen der Unaufgeregtheit des Textes haut sie den Verlagen – und auch den in ihnen arbeitenden Journalisten – so einiges um die Ohren. <span id="more-639"></span></p>
<p>Zum Beispiel:</p>
<blockquote><p>„Denn die derzeitige Medienkrise ist im Kern eine Legitimationskrise des  Journalismus. Es ist Verlagen und Journalisten in den vergangenen Jahren  nicht gelungen, deutlich zu machen, was Journalismus leistet, was die  Netzöffentlichkeit nicht kann und warum das einen Wert hat.“</p></blockquote>
<p>Weiter schreibt sie, gibt es „einen Unterschied zwischen Verlagen und Journalismus“, und man möchte nach jedem zweiten Satz lauthals „Ja! Ja doch“ schreien. Unter anderem auch an der Stelle, an der sie argumentiert, dass viele Einsparungen eben gerade dazu führen, dass Journalisten nicht mehr das tun können, wofür sie eigentlich da sind: Unabhängig zu berichten, sich nicht käuflich zu machen, auch mal mit Ausdauer recherchieren. Besonders wichtig finde ich in diesem Zusammenhang ihr Plädoyer für mehr Transparenz:</p>
<blockquote><p>„Warum nicht auch Transparenz darüber, wie lange der Journalist  recherchiert hat, ob er vor Ort war oder nur telefonieren konnte? Wer  die Reise bezahlt hat. Ob ein Profi am Werk war oder ein Hobbyautor.  Oder ein Siegel für die faire Behandlung (freier) Journalisten und eines  für garantierte Unabhängigkeit – vergeben von einer Stiftung  Medientest? Wer öffentliche Relevanz für sich in Anspruch nimmt und  selbstbewusst genug ist, das auch belegen zu können, sollte kein Problem  haben, solche Fakten offenlegen.“ (sic!)</p></blockquote>
<p>Wunderbar. Genau das machen, was Millionen ehrliche Amateure machen: Einfach drunter schreiben, wer&#8217;s bezahlt hat und was sonst noch dahinter steckt. Dann kann, so Eva-Maria Schnurr, der Leser bzw. User – also wie in anderen Wirtschaftsbereichen auch der Verbraucher – entscheiden, ob er das in Ordnung findet oder sein Geld (oder bei werbefinanzierten Medien eben seine Aufmerksamkeit) lieber anderen Anbietern gibt. Dann geht <em>der Freitag</em> auch noch mit gutem Beispiel voran und schreibt unter den Artikel, was die Autorin eigentlich macht und wie viel sie für diesen Beitrag bekommen hat. Fast vorbildlich.</p>
<p>Aber nur fast. Denn nach einem langen Text, wo es eben um die Kosten von Qualität, um Fairness, Werte und Transparenz im Journalismus geht, lese ich: „Sie hat an diesem Beitrag 16 Stunden gearbeitet und dafür 125 Euro erhalten.“ Das macht 7,81 Euro pro Stunde. Für einen selten intelligenten Artikel. Wenn ich dann zum Vergleich mal kurz <a href="http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/VerdiensteArbeitskosten/Tarifverdienste/Mindestloehne/Tabellen/Content75/MindestlohnDeutschland,templateId=renderPrint.psml">recherchiere, welche Mindestlöhne in anderen Branchen gelten</a>, muss ich ein bisschen weinen.</p>
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		<title>Was ist Privatsphäre? Gedanken zu einer hysterischen Diskussion</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Apr 2010 21:57:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>titus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Erst war es Google Street View. Dann Google Buzz. Zuletzt Facebooks neue Datenschutzbestimmungen. Wenn man sich die Reaktionen auf diese Dienste anschaut, könnte man meinen, wir alle wären diesen bösen Internetvampiren da draußen hilflos ausgeliefert, die nichts anderes wollen, als alle verfügbaren Informationen aus uns raussaugen und verkaufen. Ich fühle mich meistens unwohl in solchen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Erst war es Google Street View. Dann Google Buzz. Zuletzt Facebooks neue Datenschutzbestimmungen. Wenn man sich die Reaktionen auf diese Dienste anschaut, könnte man meinen, wir alle wären diesen bösen Internetvampiren da draußen hilflos ausgeliefert, die nichts anderes wollen, als alle verfügbaren Informationen aus uns raussaugen und verkaufen. Ich fühle mich meistens unwohl in solchen Diskussionen – denn ich lerne dabei jedes Mal ein Internet kennen, das ich gar nicht kenne. Das Internet der bösen Datenkraken. Das Internet der dümmsten anzunehmenden User. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Es ist nur das Internet der Hilflosen.<span id="more-630"></span></p>
<p>Als ich meine ersten Schritte in einem öffentlichen Beruf unternahm, war ich froh, Radio zu machen. Und ich war ebenso froh, dies meistens weit entfernt von den Orten zu tun, an denen das Programm gesendet wurde, in dem ich mit Name und Stimme auftauchte. Mir war es unangenehm, wenn Leute – zum Beispiel in Geschäften, bei der Bank oder beim Arzt – meinen Namen mit meinem Beruf in Verbindung brachten. Natürlich kann man sich in dieser Mini-Prominenz auch sonnen. Geschmackssache.</p>
<p>Damals ging ich sogar so weit, zu behaupten, dass Fernsehen niemals interessant für mich sein könnte, weil die Vorstellung unangenehm war, nach einem anstrengenden Arbeitstag auf dem Heimweg womöglich in der U-Bahn erkannt und auf meinen Job angesprochen zu werden. Das hat sich etwas gebessert. Ich habe mittlerweile weniger Probleme damit, mich vor laufender Kamera zum Affen zu machen und habe sogar gelernt, dass andere gar nicht finden, dass ich mich zum Affen mache.</p>
<p>Nicht jeder macht diese Erfahrung. Im Gegenteil. Die meisten Menschen haben gelernt, dass sich für die meisten Dinge, die sie tun, fast niemand interessiert. Freunde, Familie, Kollegen, okay – aber eben nicht irgendein unbekannter Typ in der U-Bahn oder am anderen Ende der Welt. Nun sitzen sie vor diesem Internet, sind womöglich in irgendeinem dieser sogenannten „Sozialen Netzwerke“ aktiv (für die mir auch kein besserer Begriff einfällt) und wundern sich dann, wenn das, was sie tun, schreiben, fotografieren oder filmen, plötzlich von Menschen wahrgenommen wird, für die das gar nicht gedacht war. Sie wundern sich, dass andere Menschen oder auch Maschinen die Informationen, die sie über sich preisgegeben haben, auch benutzen – im schlimmsten Fall zu kommerziellen oder gar kriminellen Zwecken.</p>
<p>Nun kam mir ein Verdacht, warum diese Diskussionen so oft so sind, wie  sie sind: Vielleicht liegt es daran, dass die meisten Menschen niemals  in ihrem Leben lernen, mit Öffentlichkeit umzugehen? Das  Grundproblem ist: Wir alle haben mit diesem Internet ein  riesiges Publikationsinstrument bekommen. Einen gigantischen Medienkanal, bei dem die Informationen auch noch in beide Richtungen fließen. Jeder von uns hat damit ein großartiges  Paket aus eigenem (Fernseh- und Radio-)Sender und Zeitung bekommen.  Aber die wenigsten von uns haben gelernt, wie man mit so was umgeht. Ich  sage es mal so: Jedem ist klar, dass ein Fernsehsender eine ziemlich öffentliche Sache ist und nur sehr bedingt (und mit größerem technischem Aufwand) zur Kommunikation mit  Freunden und Familie taugt.</p>
<p>Als es nur Telefonbücher gab, hatten die meisten von uns kein Problem damit, ihre Telefonnummer öffentlich zu machen. Denn an diese Informationen zu kommen, war so aufwändig (man musste ein großes Postamt aufsuchen und dort das richtige finden, dann erst mal nach dem Namen suchen, man musste den genauen Wohnort und eventuell sogar den Nachnamen des Partners kennen), dass Missbrauch für die meisten nicht vorstellbar war. Als dann die ersten Unternehmen begannen, Telefonbuch-CD-ROMs in großem Stil auszuwerten, bekamen die ersten eine Vorstellung davon, dass es vielleicht einfach nervt, wenn die eigene Telefonnummer öffentlich ist. Als dann mehrere Konkurrenten einfach diese Daten übernahmen und Personensuchmaschinen wie Yasni oder 123people sie auch noch auf die erste Seite der Ergebnislisten der Suchmaschinen spülten, begannen viele ein Gefühl dafür zu entwickeln, dass Daten wie diese vielleicht nicht ganz so öffentlich sein sollten. Eine Information, die sich im Zeitalter des guten alten Telefonbuchs noch gut kontrollieren ließ, entgleitet einem nun komplett. Im Zeitalter der Telefonbücher konnte ich  jederzeit kontrollieren, ob mein Name mit Nummer dort auftauchte oder nicht, und  ich konnte sicher sein, dass er nur dort auftauchte. Heute kann ich das  nicht mehr. Stehe ich im Telekom-Telefonbuch, findet man mich nicht nur  über telefonbuch.de, sondern auch in diversen Konkurrenzprodukten,  außerdem über die besagten Personensuchmaschinen&#8230; der einzige Ausweg  ist, sich aus dem Telefonbuch löschen zu lassen. Übrigens ein guter  Tipp.</p>
<p>Hinzu kommt: <a href="http://blog.mathias-richel.de/2010/02/16/offentlichkeit-%E2%89%A0-privatsphare/">Privatsphäre ist höchst individuell</a>. Ich zum Beispiel finde, dass meine Kontoauszüge meine Privatsache sind und noch nicht mal meine engsten Familienangehörigen was angehen, und damit meine ich nicht etwa Bankleitzahl und Kontonummer. Ich finde zum Beispiel, dass meine Telefonnummer nicht in die Öffentlichkeit gehört, sondern nur die Menschen etwas angeht, die mich dringend erreichen müssen oder mit denen ich gerne telefoniere. Da ich grundsätzlich selten und meistens ungern telefoniere, gehe ich damit eher sparsam um. Ich finde auch, dass es nicht jeden etwas angeht, wann ich zuhause bin und wo exakt ich wohne. Das zum Beispiel hätte ich aber vor 20 Jahren sicher ganz anders gesehen, weil mich damals unerwartete Besucher mehr gefreut haben als heute.</p>
<p>Die Wertvorstellungen darüber, was privat ist und was öffentlich, ändern sich. Oft bei einem selbst im Laufe eines Lebens, ganz sicher in einer Gesellschaft im Laufe der Zeit, und sie sind auch von Gesellschaft zu Gesellschaft verschieden. Sehr anschaulich schildert das beispielsweise <a title="Jeff Jarvis über Google Street View und gemischte Sauna" href="http://www.buzzmachine.com/2010/02/11/the-german-privacy-paradox/">Jeff Jarvis: Für ihn als US-Amerikaner ist Nacktheit eine ziemlich private Angelegenheit und er fand es am Anfang wie viele seiner Landsleute sehr befremdlich, dass es in Deutschland gemischte Saunen gibt</a>. Zu allem Überfluss sehen das noch nicht mal alle in Deutschland ähnlich – es gibt Deutsche, die haben mit der Nacktheit sogar in der eigenen Familie ganz grundsätzliche Probleme, und andere, die nur FKK-Urlaub machen.</p>
<p>Wer bei uns über die Autobahn fährt, erfährt eine ganze Menge über viele Menschen. Zum Beispiel, wann sie geboren sind und wo sie wohnen (auf dem Nummernschild), welchen Fußballverein sie toll finden, vor allem aber: Wie viele Kinder und Haustiere sie haben, wie diese heißen und welches Geschlecht sie haben. Vermutlich sehen auf nur einer Fahrt in den Urlaub mehr  Menschen mein Auto und alle damit verbundenen Informationen als in einem  Jahr auf meinem Facebook-Profil vorbeischauen. Seltsamerweise stört das aber viele überhaupt kein bisschen. So ist das mit der Individualität: Ich schäme mich fremd für die Namen der Kinder von anderen, die finden das aber toll.</p>
<p>Das Beispiel zeigt aber auch wieder, worum es eigentlich geht: Es geht gar nicht darum, ob Unternehmen bestimmte Daten erheben dürfen/können/sollen, sondern es geht darum, dass ich als Kunde bestimme, wem ich was über mich mitteile und mir auch darüber im Klaren bin, was jemand mit dieser Information anfangen könnte. Es gibt eine Grenze zwischen „öffentlich“ und „privat“, die bei jedem anders verläuft. Sich darüber zu mokieren, wenn andere diese Grenzen anders ziehen, ist ziemlich daneben und hilft nicht weiter. Wichtig ist, dass jeder selbst sein eigener Grenzschutzbeamter ist und auch sein darf.</p>
<p>Mindestens ebenso wichtig ist, dass wir uns alle bewusst werden: Wenn wir uns im Netz bewegen, bewegen wir uns in der Öffentlichkeit. Punkt. Wir müssen lernen, damit umzugehen, dass es ein öffentliches Ich gibt, geben darf und in Zukunft für viele auch geben muss. Das besteht in erster Linie aus dem, was ich über mich veröffentliche, manchmal machen dabei noch ein paar andere mit.</p>
<p>Ich persönlich kann dem auch nichts abgewinnen, wenn Leute der gesamten  Öffentlichkeit mitteilen, dass sie gerade essen, schlafen, einkaufen,  putzen, saufen oder kotzen. Aber: Auch das ist ein öffentliches  Statement über die eigene Person. Das müssen wir respektieren und niemandem steht es zu, das zu verurteilen. Unter einer Voraussetzung: Dass der Produzent dieser Banalitäten sich darüber im Klaren ist, was er tut. Wenn jemand Banalitäten über  sich publiziert, muss er wissen, dass er dann auch von vielen als banale Persönlichkeit wahrgenommen wird. Wenn das klar ist, sollte es kein Problem sein. Ich muss ja nicht hinschauen.</p>
<p>Umgekehrt wird&#8217;s interessant. Jeder, der sich darüber im Klaren ist,  dass er es hier mit eine Publikationsform in eigener Sache zu tun hat,  wird versuchen, intelligente Dinge über sich selbst zu publizieren, die  dem Image, das man gerne hätte, dienen. Insofern können auch die  eigenen Saufbilder oder die Fotos der eigenen Kinder sinnvoll sein –  wenn es denn darum geht, dieses Image hervorzukehren, also das Partytier  oder den Familienmenschen nach außen zu kehren.</p>
<p>Jeder veröffentlicht über sich Dinge, die anderen zu privat wären. Ich zum Beispiel finde dieses ganze Geodaten-Zeugs spannend, und habe wenig Probleme damit, meinen Freunden und meiner Familie via Internet mitzuteilen, dass ich gerade auf der Autobahn, im Zug, beim Einkaufen, im Büro oder sonstwie unterwegs bin. Es geht mir dabei darum, schnell und unkompliziert zu kommunizieren, wo ich mich gerade befinde. Die Vorstellung, dass mein Handy automatisch ohne mein Zutun den Menschen, denen ich das erlaube – und nur denen! – mitteilen würde, wo ich gerade bin, bereitete mir am Anfang Unbehagen, mittlerweile fände ich solche Funktionen praktisch. Meine Familie wüsste immer, wann ich ungefähr heimkomme, meine Kollegen wüssten, wann ich etwa im Büro eintreffen würde, usw. Das einzige Problem: Ich möchte dabei sehr genau festlegen, wer Zugriff auf diese Informationen hat. Deswegen hat mich noch keiner der entsprechenden Dienste überzeugt.</p>
<p>Bei aller Öffentlichkeit gibt es nur eine wirklich objektive Grenze, die viele nicht kennen und auch nicht respektieren: die Rechte anderer. Für mich ist beispielsweise ein wichtiger Grund, keine Fotos von eigenen oder fremden Kindern zu veröffentlichen, dass ich die Betroffenen nicht fragen kann (bzw. zwar fragen könnte, sie die Tragweite ihrer Entscheidung aber nicht beurteilen könnten). Aus demselben Grund finde ich auch diese Autoaufkleber mit den Namen des Nachwuchses ziemlich daneben. Andererseits kann ich meine Frau zum Beispiel fragen, ob sie&#8217;s okay findet, wenn ich dieses oder jenes Foto von uns oder die Information, dass wir verheiratet sind, bei Facebook veröffentliche, aber nur für meine Freunde. Aufs Auto würde ich mir das trotzdem nicht pappen, genausowenig wie hier im Blog fett in die Sidebar schreiben, denn beides sind vollkommen öffentliche Orte, wo ich den Zugriff auf diese Information nicht einschränken kann.</p>
<p>Wenn es um Datenschutz geht, werden wir gerne hysterisch. Ich weiß  nicht, ob das nur in Deutschland so ist, und das hat sicher auch gute Gründe. Aber ich finde es vor allem  absurd, wie viel Unverständnis Menschen begegnet, die mit manchen  Informationen etwas lockerer umgehen als andere. Wohlgemerkt: Wir reden nur über Informationen, die wir freiwillig teilen.</p>
<p>Im „richtigen“ Leben fänden es die meisten von uns völlig absurd, gleich  nach Politikern und anderen Gesetzen zu rufen, wenn sie über den  Markusplatz in Venedig gehen und dort zufällig auf mindestens 1.000  Fotos landen. Sie fänden es absurd, sich über Menschen zu mokieren, die  kein Problem damit haben, anderen zu erzählen, wie viel sie verdienen.  Sie fänden es absurd, in einem Gewinnspiel-Formular Fragen nach dem  Familienstand oder dem Alter nicht zu beantworten. Sie fänden es absurd, gemischte Saunen zu verbieten, oder Autoaufkleber mit den Namen der Kinder. Sie fänden es komisch, wenn ein Urlauber, der ein Foto von meinem Haus machen möchte, erst bei mir klingeln, fragen und womöglich eine schriftliche Einverständniserklärung einholen müsste. Wenn es um Internetdinge geht, ist das alles auf einmal gar nicht mehr so absurd.</p>
<p>Der Grund dafür ist Unsicherheit. Den Umgang mit der Öffentlichkeit und die Unterscheidung zwischen öffentlichen und privaten Informationen kann man erlernen. Man kann lernen, die meisten seiner eigenen Daten zu schützen, die man für schützenswert hält. Das Problem ist: Die wenigsten haben das gelernt.</p>
<p>Versucht man also, sich von all den hysterischen Zwischentönen zu befreien, die solche Diskussion meistens überlagern, dann bleibt eigentlich nur eins: Es geht im Kontrolle. Es geht darum, dass ich – der User – in jeder Situation entscheiden kann, mit wem ich welche Information teile. Das ist alles. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.</p>
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		<title>Wie mächtige Mäuse wieder munter werden</title>
		<link>http://gastauftritt.net/2010/03/wie-machtige-mause-munter-werden/</link>
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		<pubDate>Tue, 09 Mar 2010 06:06:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>titus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Netz]]></category>
		<category><![CDATA[apple hardware mouse maus demontage]]></category>

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		<description><![CDATA[Apple Mouse bzw. Mighty Mouse reinigen - das kann eine Wissenschaft für sich sein. Deswegen habe ich hier mal ein paar Anleitungen zusammegefasst.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mäuse haben kein langes Leben. Schon gleich gar nicht die „Mighty Mouse“ von Apple, die jetzt seit der „Magic Mouse“ nur noch „Apple Mouse“ heißt. Ihre größte Stärke ist der tolle kleine Trackball, der ein Scrollen in alle Richtungen ermöglicht (wer sich einmal dran gewöhnt hat, will darauf nicht mehr verzichten). Ihre größte Schwäche ist übrigens auch der tolle kleine Trackball, der ein Scrollen in alle Richtungen ermöglicht.<span id="more-617"></span>Meine mächtige Maus machte die ersten Monate überhaupt keine Zicken, dann wollte sie immer wieder mal gereinigt werden. Bei herkömmlichen Mäusen kein Problem: Öffnen, Trackball reinigen (bzw. die Walzen, die ihn halten), zumachen, fertig. Ganz so einfach ist es bei der Mighty Mouse nicht. Es kursieren aber im Netz verschiedene Tricks, wie man Staub und Schmutz trotzdem zu Leibe rückt.</p>
<p><strong>1. Die Papier-Methode</strong></p>
<p>Eigentlich ganz einfach: Maus umdrehen und schnell auf einem Blatt Papier mit dem Trackball hin- und her- sowie vor- und zurückfahren. Klappte bei mir bis zu einem gewissen Verschmutzungsgrad ganz hervorragend. Geht auch mit Lappen, Tüchern, o.ä. – aber das <a href="http://www.blogpotato.de/2006/09/26/mighty-mouse-reinigen/">verschlimmert das Problem möglicherweise noch</a>. Bei YouTube gibt&#8217;s auch eine schöne (wenn auch nicht sehr scharfe) <a href="http://www.youtube.com/watch?v=j0DH1R_GMQs">Anleitung für die Papier-Methode</a>.</p>
<p><strong>2. Die Tesa-Methode</strong></p>
<p>Wenn Papier nix mehr hilft, bringt es möglicherweise ein <a href="http://www.brendanfenn.com/cleanmouse.html">Stück Tesa</a>. Das ist aber bereits nichts für Grobmotoriker. Im Falle meiner ca. 3 Jahre alten Mighty Mouse war es völlig umsonst – der Tesa-Streifen hat zwar größere Mengen Dreck aus der Maus herausbefördert, aber offensichtlich noch nicht genug.</p>
<p><strong>3. Die brachiale Methode</strong></p>
<p>Wenn all das nichts hilft – so bei mir – hilft es nur noch, die „Mighty Mouse“ zu zerlegen. Dafür habe ich zwei gut bebilderte Anleitungen gefunden. <a href="http://www.applematters.com/index.php/gallery/category/C4/">Bei der ersten wird auch der äußere untere Ring entfernt</a>, der allerdings festgeklebt ist. Diese Methode hinterlässt sehr unangenehme Spuren. Die sieht man zwar kaum, wenn die Maus so auf dem Schreibtisch rumliegt, trotzdem sind Messer- und Schraubenzieherspuren natürlich nicht das, womit der Apple-Fanboy gerne sein Equipment verziert. Nachdem meine eigene Maus dermaßen verschönert war – aber immerhin wieder funktionierte – entdeckte ich noch eine weitere Anleitung, die ganz offensichtlich ohne Demontage dieses äußeren Rings auskommt. Die <a href="http://shirster.multiply.com/journal/item/194">Bilder sehen war etwas brachial</a> aus, aber erfolgversprechend: Wer seine Maus komplett reinigen muss, aber nicht riskieren will, dass sie unschöne Narben davonträgt, sollte vielleicht lieber mal diese Methode verwenden.</p>
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		<title>iSlaves und iHypes</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Jan 2010 20:33:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>titus</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Apple]]></category>
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		<description><![CDATA[Ja, ich bin Mac-User. Seit mehr als 10 Jahren, immer noch gerne und aus Überzeugung. Aber es wird zunehmend schwerer, das öffentlich zu sagen. Manchmal ist es mir ein bisschen peinlich. Das liegt am Verhalten mancher Mitfans, und vor allem an dem, was wir Journalisten daraus machen. Ein reichlich ausgelutschtes geflügeltes Wort besagt, Apple habe [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ja, ich bin Mac-User. Seit mehr als 10 Jahren, immer noch gerne und aus Überzeugung. Aber es wird zunehmend schwerer, das öffentlich zu sagen. Manchmal ist es mir ein bisschen peinlich. Das liegt am Verhalten mancher Mitfans, und vor allem an dem, was wir Journalisten daraus machen. <span id="more-608"></span>Ein reichlich ausgelutschtes geflügeltes Wort besagt, Apple habe keine Kunden, sondern Fans. Ich ich habe mich in all der Zeit bemüht, ein bisschen auch Kunde zu bleiben. Will heißen: Ich kann eine Vorliebe für einen bestimmten Computerhersteller und ein bestimmtes Betriebssystem haben, ich kann das Ganze auch in der Handyversion toll finden. Aber ich muss ja nicht gleich in die Hosen machen, wenn „His Steveness“ eine Bühne betritt.</p>
<p>Apple stellt jedes Jahr mehrmals neue Produkte vor, meistens macht das der Chef selbst. Immer gibt es im Vorfeld Gerüchte in der Mac-Szene, die Spekulationen schießen ins Kraut, manche Fans machen sich einen Spaß draus, die tollsten Dinge zu erfinden und zu illustrieren. Angebliche Videos oder Fotos von neuen Apple-Produkten gehören in dieser Szene praktisch zur Folklore. Das war auch dieses Mal nicht anders. Aber in den letzten Monaten, ja Jahren – seit das iPhone so erfolgreich ist – nimmt der Hype Ausmaße an, die selbst einem hyperprobten Apple-Jünger nur noch verständnisloses Kopfschütteln abnötigen: Mehr als 100.000 Twitter-Nachrichten in einem Monat, einige Tausend Blogeinträge und über 5.000 YouTube-Videos sind schon eindrucksvolle Zahlen (<a title="Apple-iPad-Hype in Zahlen" href="http://www.readwriteweb.com/archives/the_apple_tablet_hype_by_the_numbers.php">nachzulesen bei ReadWriteWeb</a>).</p>
<p>All das wäre erträglich, wenn es bliebe, was es ist: Traditions-Reflexe einer Subkultur, die sich in Fachblogs und auf Fan-Seiten abspielen und fester Bestandteil der PR-Strategie Apples. Wenn wir als Journalisten damit in Berührung kommen, sollten wir wie bei allem Fan-Gekreische Abstand halten und cool bleiben. Anstattdessen waren die Gerüchte über das jetzt vorgestellte <a href="http://www.apple.com/ipad/">iPad</a> – wahlweise tituliert als iSlate, iTablet oder sonstwas – Gegenstand einer Vorberichterstattung, wie sie sonst bei technischen Geräten (denn darum geht es) aus guten Gründen absolut unüblich ist, oft ohne den Hinweis darauf dass es sich um Gerüchte handelte. Denn wenn man die Gerüchte mal ausblendete, blieb bis zum 27.1.2010 um 19 Uhr MEZ folgende Faktenlage: Apple-Chef Steve Jobs wird ein technisches Gerät vorstellen, das er sehr gelungen findet. Alles andere war reine Spekulation, und revolutionär war bis dato alleine die Tatsache, dass Steve Jobs im Vorfeld schon angekündigt hatte, <a title="TechCrunch: Steve Jobs über neues Produkt" href="http://www.techcrunch.com/2010/01/24/steve-jobs-tablet-most-important/">dass er das neue Produkt (das er natürlich nicht nannte) toll findet</a>. Meistens schweigt er vor solchen Terminen einfach.</p>
<p>Wenn nun in den kommenden Tagen das iPad durch vielen Medien wahlweise als die Rettung ganzer Industriezweige, als der Computer der Zukunft oder als Amazons Tod geistert, dann möge man einfach mal kurz innehalten und ein paar Jahre zurückblicken: Der erste iPod wurde 2001 vorgestellt. Braucht keiner, dachten damals wohl die meisten. 2007 wurde das iPhone präsentiert. Zum Kult-Handy avancierte es frühestens 2008, als die ersten 3G-Geräte kamen. Will heißen: Wenn das Teil wirklich heiß ist, weiß man das erst hinterher, wenn Menschen es angefasst, ausprobiert und entweder in die Ecke gelegt haben oder nicht mehr hergeben, wenn andere Hersteller versuchen, es zu imitieren, so gut es geht, und wenn – ganz einfach – Kunden das Gerät kaufen. Bis dahin ist es auch einfach ein potenzieller Flop.</p>
<p>Journalismus sollte – gerade auch im Internet – unterscheiden können zwischen Fakten und Gerüchten, und sollte das transparent machen. „Apple hat vielleicht was Neues“ ist genauso wenig grundsätzlich eine Meldung wert wie „Google überlegt, ob es vielleicht eine gute Idee wäre, dass&#8230;“. Wir berichten ja auch nicht von der Präsentation neuer Autos oder – sagen wir – Kaffeemaschinen, sondern allenfalls dann, wenn wir sie getestet und für revolutionär befunden haben.</p>
<p>So, und jetzt muss ich schauen, wo ich die 500 bis 900 Euro für mein iPad herbekomme.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Krisenbilder: Eine kleine Geschichte</title>
		<link>http://gastauftritt.net/2010/01/krisenbilder-eine-kleine-geschichte/</link>
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		<pubDate>Fri, 15 Jan 2010 23:10:13 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wenn mich jemand fragen würde, was das für ein Bild da oben im Header zu diesem Blog ist, ich würde antworten: Das ist das Bild zur Krise. Zur Zeitungs- und Medienkrise. Und deshalb möchte ich doch die ganze Geschichte dieses Bildes erzählen. Wir befinden uns irgendwo an der italienischen Adriaküste, irgendwann in einem Sommer, irgendwann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog.titusgast.de/files/2010/01/iltempo1_xl2.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-647" title="Il Tempo 1" src="http://blog.titusgast.de/files/2010/01/iltempo1_xl2-500x284.jpg" alt="Zeitungskiosk im Acker" width="500" height="284" /></a></p>
<p>Wenn mich jemand fragen würde, was das für ein Bild da oben im Header zu diesem Blog ist, ich würde antworten: Das ist das Bild zur Krise. Zur Zeitungs- und Medienkrise. Und deshalb möchte ich doch die ganze Geschichte dieses Bildes erzählen.<span id="more-581"></span></p>
<p>Wir befinden uns irgendwo an der italienischen Adriaküste, irgendwann in einem Sommer, irgendwann weit nach dem Jahr 2009. Das war das Jahr, in dem alles begann. Die Medienkrise, die in den USA schon die ersten Zeitungen dahingerafft hatte, kam nach Europa. Wie schon zuvor in den USA, gab es nun auch hier immer mehr Blätter, die seit Monaten keine Gewinne mehr machten, weil immer mehr Abonnenten das Blatt abbestellten. Viele Lokalzeitungen erschienen nur noch ein- bis zweimal pro Woche, andere machten ihre Lokalredaktionen dicht, wieder andere fusionierten mit größeren Konkurrenten. In Deutschland wurden die Rundfunkgebühren drastisch erhöht, wobei ARD und ZDF nur noch zwei Drittel ihrer früheren Gebühreneinnahmen zur Verfügung standen, der Rest floss als „Programmförderung“ an private Medienunternehmen. Seitdem hat zwar eine beispiellose Fusionswelle öffentlich-rechtliche und private Medienhäuser erfasst, aber es gibt immerhin noch in jeder Großstadt mindestens eine Zeitung, die oft sogar noch von einigen Hundert Menschen gelesen wird. Restauflagen werden sonntags in der Kirche verteilt.</p>
<p>Besonders schlimm traf die Medienkrise aber Italien. Weil hier schon lange kaum ein Zeitungsleser mehr ein Abo abgeschlossen hatte, hatten die Zeitungen auch keine Möglichkeit, ihr Publikum an E-Paper oder reine Online-Abonnements heranzuführen. Stattdessen merkten sie erst, dass sich etwas änderte, als die Verkaufszahlen an den Kiosken immer schneller sanken. Viele schoben dies aber lange auf das schöne Wetter. Schließlich brachte 2010 einen echten Jahrhundertsommer. Hinzu kam, dass Mediaset (das Unternehmen, das den Kindern des mittlerweile auf Lebenszeit gewählten Ministerpräsidenten Berlusconi gehörte) alle drei Programme der einst staatlichen RAI übernommen hatte und dies mit quotenstarken Miss-Wahlen feierte.</p>
<p>Das erste RAI-Programm war außerdem zu einem Nachrichtenkanal umgebaut worden. Es berichteten aber nicht Moderatoren und Redakteure, sondern es wurden nacheinander sämtliche größeren Polizeiposten des Landes zugeschaltet, in denen der Medienpolizist vom Dienst von den Verbrechen des Tages berichtete, angereichert durch Amateurvideos, offizielle Polizeivideos und Live-Schaltungen zu spektakulären Verhaftungen oder Verfolgungsjagden. Zwischendurch gab es immer wieder Politik-Talkshows, in denen meist junge, gutaussehende Politikerinnen der Regierungsfraktion gegenüber älteren, blutleeren Oppositionsvertretern mehr Geld für Sicherheit und Polizei forderten. Schon bald war das Genre der Polit-Spielshow erfunden – immer neue Spiel-Shows mit den früheren Talkshow-Teilnehmern sorgten für Quotenrekorde. Unterbrochen wurde das Programm etwa alle zehn Minuten durch Werbung für Sicherheitsdienste, Waffen und allerlei Dinge, die man brauchen könnte, um Einbrecher zu verjagen.</p>
<p><a href="http://blog.titusgast.de/files/2010/01/iltempo2_xl.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-582" src="http://blog.titusgast.de/files/2010/01/iltempo2_xl-500x284.jpg" alt="Zeitungskiosk im Acker" width="500" height="284" /></a></p>
<p>Als die Auflagen der Zeitungen – auch ausgelöst durch die quotenstarken TV-Sendungen – immer schneller zu sinken begannen, wurde auch in Italien der Ruf nach Subventionen lauter. Allerdings kam er hier nicht so sehr von den Medienunternehmen (die ja fast alle dem Ministerpräsidenten gehörten und deshalb schon seit Jahren mehr oder weniger heimlich subventioniert wurden), sondern von der Vereinigung der Zeitungskioskbesitzer. Denn diese fürchteten nun um ihre Existenz. Als Anfang 2011 fast alle Zeitungskioske für eine Woche streikten, brach ein Sturm der Entrüstung los, die Bürger demonstrierten in großen Massenkundgebungen für den Erhalt der Kioske. Der Grund dafür waren aber nicht die fehlenden Zeitungen, sondern die Rubbellose und Aufladekarten für Prepaid-Handys, die es an fast jedem Kiosk zu kaufen gab. Auf öffentlichen Druck hin wurde ein gigantisches Hilfsprogramm für die Kioskbesitzer aufgelegt. Da allerdings auch jedem klar war, dass diese ohne Zeitungen (es gab mittlerweile nach mehreren Fusionen nur noch eine, die Berlusconi gehörte) kaum überleben konnten, ersann eine überparteiliche Kommission eine andere Lösung: Die Abwrackprämie für Zeitungskioske. Jeder Kioskbetreiber, der seine „Edicola“ aufgab, bekam ein Stück Land zugesprochen, vom Ministerpräsidenten persönlich ein Tütchen mit Samen überreicht, und durfte hier nach Lust und Laune Landwirtschaft betreiben, um seine Existenz zu sichern. Viele machten davon Gebrauch und benutzten fortan ihre früheren Arbeitsstätten als Hütten, um landwirtschaftliche Geräte unterzubringen oder sich bei Regen unterzustellen.</p>
<p>Schon Mitte 2012 waren die Kioske aus Italiens Städten fast verschwunden (bis auf die wenigen, die ausschließlich Rubbellose und Prepaid-Karten verkauften). Dafür waren die Hügel und Felder übersät mit Zeitungskiosken. Ganz genau so wie der Acker in diesen Fotos, irgendwo an der italienischen Adriaküste, irgendwann in einem Sommer, irgendwann&#8230;</p>
<p>Ach, Moment mal: Die Bilder stammen ja alle aus dem Jahr 2009. Nichts von alledem ist je passiert. Außer der Tatsache, dass da irgendwo in einem Maisfeld am Meer dieser Zeitungskiosk stand und ich meine Kamera dabei hatte. Dafür, dass er geschlossen hat, erzählt der ganz schön durchgeknallte Geschichten.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Gefangen im Telekommunikationschaos</title>
		<link>http://gastauftritt.net/2010/01/gefangen-im-telekommunikationschaos/</link>
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		<pubDate>Wed, 06 Jan 2010 14:02:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>titus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich dachte, eigentlich könnte mir das nicht passieren. Ich hielt mich bis gestern für ziemlich bewandert in Telekommunikationsdingen. DSL-Anschluss, Festnetz, Voice over IP – das ist zwar alles schwer zu durchschauen, aber hey, wozu hab ich recherchieren gelernt? Also, das muss doch günstiger gehen. Dachte ich. Dann kam der Tag, an dem ich wechseln wollte. Gut, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich dachte, eigentlich könnte mir das nicht passieren. Ich hielt mich bis gestern für ziemlich bewandert in Telekommunikationsdingen. DSL-Anschluss, Festnetz, Voice over IP – das ist zwar alles schwer zu durchschauen, aber hey, wozu hab ich recherchieren gelernt? Also, das muss doch günstiger gehen. Dachte ich. Dann kam der Tag, an dem ich wechseln wollte. <span id="more-560"></span></p>
<p>Gut, einfach so zu irgendwem zu wechseln, das war mir dann doch zu heiß. Ich bin ja durchaus mutig, aber nicht leichtsinnig. Dazu habe ich schon zu viele negative Erfahrungen gemacht und gehört. Deshalb (und aus verschiedenen anderen Gründen, wovon der wichtigste die Flexibilität ist), entschied ich mich für folgendes Szenario:</p>
<ul>
<li> Kündigung des bestehenden Telekom-Festnetzanschlusses.</li>
<li>Wechsel von einem zusätzlichen DSL-Anschluss auf Telekom-Basis von Congstar (Telekom-Tochter) in ein Congstar-Komplettpaket (entbündelter DSL-Anschluss ohne Festnetz).</li>
<li>Weitere Nutzung des bisher auch genutzten Voice-over-IP-Systems von Sipgate mit vorhandener Hardware (IP-Telefon).</li>
<li>Mitnahme der bisherigen Festnetznummer – entweder zu Congstar oder Sipgate.</li>
</ul>
<p>Anfangs sah alles ganz toll aus: Ein Anruf bei der Congstar-Bestellhotline erbrachte ungefähr folgende Ausgangslage: Ein Wechsel wäre keine große Sache, Geschwindigkeit und Features des DSL-Anschlusses müssten gleich bleiben, es dürfte alles so funktionieren wie bisher. Prima, dachte und sagte ich, bestellte, und war glücklich, bald ein bisschen Geld zu sparen.</p>
<h2>Rufnummern-Portierung für Anfänger</h2>
<p>Das Unheil begann, als Congstar mir mitteilte, die Telekom hätte meine Telefonnummer nicht für die Portierung freigegeben, weil die Inhaberdaten nicht übereinstimmten. Ich rief bei der Telekom und bei Congstar an und bat um Aufklärung. Man konnte mir zunächst keine liefern. Nach mehrmaligem gemeinsamen, scharfen Nachdenken stellte sich als wahrscheinlichster Grund für die Ablehnung heraus, dass meine Adresse in beiden Systemen unterschiedlich hinterlegt war: Bei Congstar war die „Straße“ ausgeschrieben, bei der Telekom aber stand nur „Str.“ in den Anschlussdaten. Die Congstar-Mitarbeiterin riet mir darauf hin, das einfach schnell online zu ändern, was technisch aber nicht möglich war. Ein erneuter Anruf bei Congstar führte zu der Auskunft, dass ich die Adresse bei der Telekom ändern müsste, weil im Congstar-System bei dieser Art von laufenden Aufträgen keine Änderungen, sondern nur Stornierungen möglich seien. „Na gut, ändere ich es halt schnell online bei der Telekom“, dachte ich mir. Fehlanzeige. Ist online nicht möglich. Nächster Anruf bei der Telekom-Hotline. Die Mitarbeiterin, die ich jetzt dran hatte, schien ausnahmsweise mal kompetent zu sein, denn sie erklärte mir, dass eigentlich wegen Diskrepanzen von „Straße“ und „Str.“ keine Probleme auftauchen sollten. Es könnte aber sein, dass mein Anschluss unter einer anderen Hausnummer geführt werde, weil dort die Verteilerstelle sei, das komme manchmal vor. Nach längerem Hin und Her stellte sich heraus: Nein, das war wohl nicht der Grund. Vielmehr tauchte ein anderes Problem auf: Zwar läuft mein Telefonanschluss in Karlsruhe auf meinen Namen und meine hiesige Adresse, wir haben aber noch einen anderen Telefonanschluss in München. Dieser läuft auf den Namen meiner Frau, und wir beide sind – übergeordnet zu den einzelnen Buchungskonten – als Anschlussinhaber bei der Telekom gemeldet. So zumindest habe ich verstanden, was die freundliche Dame (warum sind es eigentlich fast immer Frauen?) mir erklärte. Zudem stellte sich bei dieser Gelegenheit heraus, dass dort auch noch meine frühere Adresse hinterlegt war, also weder Name, noch Adresse übereinstimmten. Ich habe also gelernt: Ausschlaggebend sind nicht die Inhaberdaten des konkreten Anschlusses, der portiert werden soll, sondern bei übergeordneten Kundenkonten dessen Daten. Aha. Dumm an der Sache war, dass ich diesen Umstand selbst als eingefleischter Do-It-Yourself-Kunde unter Nutzung der mir zur Verfügung gestellten Werkzeuge gar nicht hätte herausfinden können. Denn: Im Online-Kundencenter der Telekom war an beiden Stellen nur ich als Anschlussinhaber gemeldet. Zum Glück kostet in diesem einen Fall der Anruf bei der Hotline nichts.</p>
<p>Nun kam der nächste Schritt: Congstar klar machen, dass sie die Portierung doch bitte mit anderen Benutzerdaten versuchen sollten. Der wieder mal kostenpflichtige Anruf führte nach zwei ergebnislosen Versuchen und längeren Wartezeiten zu folgender Auskunft: „Wir können die Daten nicht ändern. Wir müssen den Auftrag stornieren und neu mit den anderen Daten einreichen. Dazu schreiben Sie uns am besten eine E-Mail, schildern uns den Sachverhalt und wir stornieren das dann.“ So geschah es. Und es wurde Nacht.</p>
<h2>Neuer Versuch mit fatalen Folgen</h2>
<p>Nächster Tag, nun wollte ich endlich so richtig bestellen. Über Nacht hatte ich mir auch überlegt, dass ich vielleicht besser meine Festnetznummer zu meinem bisherigen VoIP-Anbieter Sipgate portiere, weil ich dann sicher sein konnte, dass sie auch mit meinem IP-Telefon funktioniert. Ein wagemutiger Plan, der ins totale Chaos führte.</p>
<p>Zunächst mal startete ich mit einem neuen Anruf bei der Hotline: Ob es denn möglich wäre, einen Congstar-komplett-Anschluss auch ohne Portierung der bestehenden Festnetznummer zu bestellen, wollte ich wissen. „Ja“, meinte die nette Dame am anderen Ende der Leitung, „das können Sie online einfach so bestellen.“ Hurra, endlich wurde alles gut. Ich bestellte, online, wie ich&#8217;s am liebsten mache, weil ich nichts buchstabieren und keinen Bedingungen zustimmen muss, die ich nicht selbst gelesen habe. Und dort sah ich: Was mir die Hotline geraten hatte, einfach ohne Mitnahme der Rufnummer zu bestellen, geht eben nicht. Ich kann an diesem Punkt im Bestellformular nichts auswählen. Ob die MitarbeiterInnen die eigene Website wohl kennen?</p>
<h2>„Übers Internet telefonieren? Aber bitte nur mit uns!“</h2>
<p>Ich bin ja flexibel. Wenn nicht online, dann ruf ich eben noch mal an und bestelle das direkt bei der Bestell-Hotline. Dort brachte ich mein Anliegen nun zum gefühlten 753-tausendsten Mal vor und gestattete mir den Hinweis, dass ich ja einfach nur eine Internetleitung will, weil ich für Telefonie meinen bisherigen VoIP-Anbieter weiter nutzen möchte und die Rufnummer gerne zu diesem portieren möchte. Sinngemäß ging das Telefonat ungefähr so weiter: „Das geht aber mit unserem Komplettanschluss nicht.“ – „Bitte?“ – „Nein, sie können dann ja nur noch über Congstar telefonieren.“ – „Ja, aber ich kann doch übers Internet mit einem anderen SIP-Provider telefonieren, weil ich dafür ja nur einen DSL-Anschluss nutze.“ – „Nein, Sie haben dann ja nur eine Leitung. Ihr Festnetzanschluss fällt ja dann weg. Das heißt, Sie können kein Call-by-Call und keine Preselection und so was machen.“ – Ich: „Ja, das nutze ich ja auch nicht. Ich nutze den Festnetzanschluss gar nicht mehr.“ – „&#8230;?“ – Ich: „Wenn VoIP mit meinem Anbieter über meinen bisherigen Anschluss bei Ihnen funktioniert, warum sollte es dann mit dem Komplettanschluss nicht mehr funktioneren?“ – „Weil Sie ja bei uns einen VoIP-Anschluss haben.“ – „Ja, und was hindert mich daran, noch einen anderen zu benutzen?“ – „Sie bekommen von uns ja nur einen, Sie haben dann ja nur eine DSL-Leitung mit VoIP.“ – „Und warum funktioniert das denn bisher und hat auch funktioniert, als ich mal versucht habe, parallel VoIP über Congstar zu nutzen?“ – „Das war ja ein anderer Anschluss, da hatten Sie ja noch den Festnetzanschluss.“ Aha. Das Gespräch ging dann noch eine Weile weiter und wurde lauter, auch hinzugezogene Techniker vertraten weiterhin die Auffassung: Dass jemand einfach einen Internetanschluss nutzt, um Datenpakete von A nach B zu schicken und zu empfangen, geht zwar, aber anscheinend nicht wenn diese Datenpakete Voice over IP heißen. Als ich dann noch ins Spiel brachte, dass man mir aber bei der ersten Bestellung zugesichert habe, dass alles, was bisher funktioniert, auch nach dem Wechsel laufen würde, entwickelte sich die Unterhaltung eher in Richtung lautstarkem Vortrag über Kundenservice – denn dass ich es wage, verlässliche Aussagen von Mitarbeitern zu erwarten und womöglich nicht akzeptieren möchte, dass unterschiedliche Mitarbeiter sich widersprechende Aussagen treffen, ist offenbar nicht vorgesehen. Auch nicht, wenn man teures Geld für die Hotline bezahlt.</p>
<h2>Service nicht inklusive</h2>
<p>Mein persönliches Highlight-Zitat des Congstar-Mitarbeiters, den ich da am Apparat hatte, war aber: „Das wussten Sie doch vorher, dass Sie bei uns alles selbst per Internet machen müssen und keinen kostenlosen Service erwarten dürfen.“ Er riet mir, mein Problem in einer E-Mail zu schildern, man würde das dann mit der Technik abklären und ich bekäme so auch eine schriftliche Antwort, auf die ich mich verlassen kann. Diese E-Mail habe ich also vor zwei Stunden abgeschickt. Irgendetwas in mir sagte mir, dass meine Geschichte damit noch nicht vorbei ist.</p>
<h2>Anruf von der Portierungsfront</h2>
<p>Das Telefon klingelte. Am anderen Ende: Eine nette Dame aus dem hohen Norden, von der Telekom. Sie habe da einen Portierungsantrag vorliegen. Ich: „Aber der Auftrag ist doch schon storniert!“ Es stellte sich heraus: Offensichtlich war das noch nicht bis zur Telekom vorgedrungen und ich hätte nun die Wahl, dem zuzustimmen, dann ginge die Nummer heute noch an Congstar raus, oder ihn abzulehnen. Ich lehnte nach längerem Hin und Her dankend ab, bevor meine Festnetznummer unwiderbringlich im Wechselnirvana verschwand.</p>
<p>Bis hierher habe ich zwei Dinge gelernt: 1. Wenn du wechseln willst, erwarte keine Sachkompetenz von den Mitarbeitern der Telefonfirma deines Vertrauens. 2. Kommuniziere schriftlich und keinesfalls mündlich.</p>
<p>Nun bin ich sehr gespannt, was als nächstes passiert.</p>
<h2>Nächster Akt</h2>
<p><em>Nachtrag am 7.1.2010, 21:00 Uhr: </em></p>
<p>Congstar hat sich noch nicht auf meine Anfrage gemeldet. Mir ist auch nach Rücksprache mit technisch noch versierteren Kollegen keine Möglichkeit eingefallen, wie ein Telekommunikationsanbieter VoIP über andere Anbieter verhindern sollte, es sei denn, er überwachte den gesamten Netzwerkverkehr, was datenschutzrechtlich eine ziemlich bedenkliche Angelegenheit wäre. Allerdings bin ich <a href="http://www.ip-phone-forum.de/showthread.php?t=189849&amp;highlight=sipgate+congstar">in einem Forum tatsächlich über einen Hinweis darauf gestolpert, dass die Kombination Congstar komplett &amp; Sipgate Schwierigkeiten nach sich ziehen könnte</a>.</p>
<p>Inzwischen hatte ich auch bei Sipgate nachgefragt, ob man dort von Problemen mit Congstar-Anschlüssen wisse. Antwort: „Uns sind keine Einschränkungen bei Anschlüssen von Congstar und anderen Anbietern bekannt.“ Eigentlich eine klare Aussage.</p>
<p>Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob man wirklich einem Unternehmen vertrauen sollte, das 1. seine eigene Technik nicht erklären kann und 2. ganz offensichtlich gar kein Interesse daran hat, eine relativ simple Kundenanfrage zu beantworten. Immerhin wäre mir ja auch mit einer Aussage wie „Ja, Sie können unsere DSL-Anschlüsse auch ohne VoIP bestellen” geholfen gewesen</p>
<h2>Suche nach Alternativen</h2>
<p>Nun ist es ja so, dass Congstar komplett nur deshalb meine erste Wahl war, weil ich seit Jahren zufriedener Kunde war. Eine günstigere Alternative wäre Alice light. Kostet weniger, bietet einen nackten DSL-16.000-Anschluss ohne VoIP und sonstigen Schnickschnack. Die Hotline machte zwar einen eher unfreundlichen und unwilligen Eindruck, aber immerhin konnte man mir dort einen Geschwindigkeitskorridor nennen (10.000-16.000 kBit/s), der mir akzeptabel erscheint und versicherte mir, dass mein DSL-Modem-Router funktionieren würde. Also: Eigentlich kein großes Risiko.</p>
<p>Das Abenteuer geht weiter.</p>
<h2>„Sie haben Post“</h2>
<p><em>Nachtrag, 8.1.2010, 18:40 Uhr:</em></p>
<p>Congstar hat mir auf meine Anfrage hin geschrieben. Zwar schon vor ein paar Stunden, aber das macht es nicht wesentlich besser. Eigentlich hatte ich erwartet, eine Antwort auf die Frage zu bekommen, ob ich meinen VoIP-Anbieter Sipgate mit Congstar komplett benutzen könnte, denn das war der hauptsächliche Inhalt meiner E-Mail. Anstattdessen las ich:</p>
<blockquote><p>„Ein einfacher Wechsel aus Ihrem Surfpaket zu einem komplett Anschluss ist leider nicht möglich. Bitte kündigen Sie Ihr Surfpaket bei congstar und bestellen im Anschluss Ihr gewünschtes komplett Produkt.“</p></blockquote>
<p>Ähem&#8230; Ich ignoriere mal alle Deppenleerzeichen und verwirrenden Kleinschreibungen und stelle fest: Das war nicht die Frage. Mal abgesehen davon, dass diese Vorgangsweise bis zur Stornierung wegen einer fehlgeschlagenen Portierung, die trotzdem funktioniert hätte, wohl durchaus möglich war, weiß ich nicht, was an einer dermaßen offensichtlichen Standard-Antwort zwei Tage Zeit braucht. Aber egal. Ich fasse zusammen: Meine per E-Mail gestellte Frage wurde nicht nur ignoriert, sondern ich habe jetzt sogar eine allem Anschein nach falsche Auskunft schriftlich. Toll. Auch eine reife Leistung.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>App-Debatte: Viel Lärm um Nullkommairgendwas</title>
		<link>http://gastauftritt.net/2010/01/app-debatte-viel-larm-um-nullkommairgendwas/</link>
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		<pubDate>Mon, 04 Jan 2010 00:49:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>titus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurios]]></category>
		<category><![CDATA[Mediengedöns]]></category>
		<category><![CDATA[Netz]]></category>
		<category><![CDATA[Stammtisch]]></category>
		<category><![CDATA[Apple]]></category>
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		<category><![CDATA[ard]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[tagesschau]]></category>

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		<description><![CDATA[Heissa, was für ein Weihnachtsgeschenk! So eine schöne Medien-Debatte zum Jahresende bzw. -anfang gab&#8217;s doch lange nicht mehr: Nach den endlich überwundenen Auseinandersetzungen um den neuen Rundfunkstaatsvertrag wird jetzt die nächste kapitale medienpolitische Sau durchs analoge Dorf getrieben: Darf die ARD iPhone-Apps für Nachrichten anbieten? Schließlich könnten sich Verlage dadurch in ihrer Existenz bedroht fühlen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heissa, was für ein Weihnachtsgeschenk! So eine schöne Medien-Debatte zum Jahresende bzw. -anfang gab&#8217;s doch lange nicht mehr: Nach den endlich überwundenen Auseinandersetzungen um den <a title="Rundfunkstaatsvertrag bei Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rundfunkstaatsvertrag">neuen Rundfunkstaatsvertrag </a>wird jetzt die nächste kapitale medienpolitische Sau durchs analoge Dorf getrieben: Darf die ARD iPhone-Apps für Nachrichten anbieten? Schließlich <a title="Artikel zum App-Streit bei Welt Online" href="http://www.welt.de/webwelt/article5680796/ARD-beharrt-auf-kostenlosem-iPhone-Dienst.html">könnten sich Verlage dadurch in ihrer Existenz bedroht fühlen</a>. Ich habe mal ein paar Zahlen zum Thema zusammengetragen. <span id="more-512"></span></p>
<p>Worum geht&#8217;s in der Debatte? Kurz zusammengefasst: tagesschau.de hat eine kostenlose App angekündigt. Der Springer-Verlag verlangt für seine Bild.de- und Welt-Online-Apps jeweils Geld und will künftig iPhone-Besitzer auch für einzelne Inhalte extra zahlen lassen. Sprich: Springer probiert Bezahlinhalte auf dem iPhone (und iPod touch, das muss man immer wieder dazu sagen) aus. Deswegen <a title="Artikel zum App-Streit bei Welt Online" href="http://www.welt.de/webwelt/article5680796/ARD-beharrt-auf-kostenlosem-iPhone-Dienst.html">verzerrt die ARD mit ihrer Gratis-App den Markt, sagt Springer</a>. Tut sie nicht, und es entstehen dem Gebührenzahler damit auch keine nennenswerten Kosten, erklärt z.B. ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke im tagesschau-Blog (<a title="Stellungnahme von Dr. Kai Gniffke zum App-Streit" href="http://blog.tagesschau.de/?p=7449">hier</a> und <a title="Erstes Posting zum App-Streit im tagesschau-Blog" href="http://blog.tagesschau.de/?p=7439">hier</a>). Wie diese Debatte geführt wird und worum es möglicherweise wirklich geht, hat <a title="Kommentar zur App-Debatte bei DWDL.de" href="http://www.dwdl.de/story/24095/schnellwahltaste_1_die_debatte_um_gratisapps/">Thomas Lückerath im Medienmagazin DWDL sehr schön beschrieben</a>.</p>
<p>Nun werden in Debatten dieser Art viele Meinungen kurzerhand als Fakten maskiert und stehen dann recht dekorativ im öffentlichen Raum herum. Hintergründe? Fehlanzeige. Ich bin selbst nolens volens mitten in eine solche Debatte geraten und habe dann einfach mal das gemacht, was Journalisten (um die geht es ja hier eigentlich) immer machen sollten, bevor sie den Mund aufmachen oder in die Tasten hauen: Recherchieren. Also: Was ist dran am Vorwurf, die ARD bedrohe mit viel Marktmacht und Geld private Online-Angebote? Eine Antwort darauf könnten die jeweiligen Reichweitenzahlen bieten. Diese Zahlen sind zum großen Teil öffentlich. Bei der <a title="IVW-Ausweisung Online-Reichweiten" href="http://ausweisung.ivw-online.de/index.php">IVW</a> (die die meisten Content-Angebote der Verlage erfasst) kann jeder die Visits (also Seitenbesuche) privater, werbefinanzierter Online-Medien einsehen. <a title="Online-Reichweiten der ARD-Angebote" href="http://www.ard.de/intern/basisdaten/onlinenutzung/reichweitendaten/-/id=1198700/mi1adx/index.html">Die ARD veröffentlicht die Zahlen der Gemeinschaftsangebote (dazu zählt auch tagesschau.de) auf ihrem Sammelportal ARD.de</a>. Das ist also meine Datenbasis für alle nun folgenden Rechenbeispiele.</p>
<p>Ich beschränke mich mal auf die 50 reichweitenstärksten Angebote im November 2009 (jeweils gemessen an den Visits). Neuere Zahlen liegen noch nicht vor. Zum Vergleich sind in der Tabelle unten auch die Zahlen von Juli 2007 angegeben. Der Übersichtlichkeit halber habe ich nur die Top Ten vollständig aufgelistet, ansonsten nur die Content-Angebote großer Massenmedienmarken. (Eine vollständige Aufstellung gibt&#8217;s <a href="http://blog.titusgast.de/files/2010/01/visits_ard-ivw_top50-2009.pdf">hier als PDF zum Download</a>.)</p>
<table style="border: 1px solid #999" border="0" cellpadding="5">
<tbody>
<tr style="text-align: center">
<th>Pos.</th>
<th>Angebot</th>
<th>Visits Nov 2009</th>
<th>Visits Juli 2009</th>
<th>Preis für App</th>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">1</td>
<td>T-Online Contentangebot</td>
<td style="text-align: right">432.877.352</td>
<td style="text-align: right">373.129.980</td>
<td>-</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">2</td>
<td>MSN</td>
<td style="text-align: right">271.928.305</td>
<td style="text-align: right">272.900.137</td>
<td>-</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">3</td>
<td>yahoo</td>
<td style="text-align: right">205.568.375</td>
<td style="text-align: right">206.581.007</td>
<td>0,00 €</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">4</td>
<td>StudiVZ</td>
<td style="text-align: right">176.244.039</td>
<td style="text-align: right">177.280.574</td>
<td>0,00 €</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">5</td>
<td>wer-kennt-wen.de</td>
<td style="text-align: right">167.072.576</td>
<td style="text-align: right">157.446.900</td>
<td>-</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">6</td>
<td>schülerVZ</td>
<td style="text-align: right">164.752.132</td>
<td style="text-align: right">154.295.215</td>
<td>0,00 €</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">7</td>
<td>ProSieben Online</td>
<td style="text-align: right">135.451.891</td>
<td style="text-align: right">143.141.468</td>
<td>-</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">8</td>
<td>SPIEGEL ONLINE</td>
<td style="text-align: right">121.528.785</td>
<td style="text-align: right">113.005.581</td>
<td>-</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">9</td>
<td>Bild.de</td>
<td style="text-align: right">117.210.129</td>
<td style="text-align: right">105.207.972</td>
<td>0,79 €</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">10</td>
<td>meinVZ</td>
<td style="text-align: right">110.194.619</td>
<td style="text-align: right">99.244.473</td>
<td>0,00 €</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">&#8230;</td>
<td>&#8230;</td>
<td style="text-align: right">&#8230;</td>
<td style="text-align: right">&#8230;</td>
<td>&#8230;</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right"><em>18</em></td>
<td><em>ARD Online (incl. tagesschau.de)<br />
</em></td>
<td style="text-align: right"><em>40.700.000</em></td>
<td style="text-align: right"><em>37.700.000</em></td>
<td><em>-</em></td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">19</td>
<td>RTL.de</td>
<td style="text-align: right">38.452.862</td>
<td style="text-align: right">58.592.732</td>
<td>0,00 €*</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">&#8230;</td>
<td>&#8230;</td>
<td style="text-align: right">&#8230;</td>
<td style="text-align: right">&#8230;</td>
<td>&#8230;</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">22</td>
<td>kicker online</td>
<td style="text-align: right">31.066.454</td>
<td style="text-align: right">28.830.598</td>
<td>-</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">&#8230;</td>
<td>&#8230;</td>
<td style="text-align: right">&#8230;</td>
<td style="text-align: right">&#8230;</td>
<td>&#8230;</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">24</td>
<td>heise online</td>
<td style="text-align: right">27.702.827</td>
<td style="text-align: right">26.944.923</td>
<td>0,00 €</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">&#8230;</td>
<td>&#8230;</td>
<td style="text-align: right">&#8230;</td>
<td style="text-align: right">&#8230;</td>
<td>&#8230;</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">26</td>
<td>Sport1</td>
<td style="text-align: right">25.884.071</td>
<td style="text-align: right">26.463.506</td>
<td>0,00 €</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">27</td>
<td>FOCUS ONLINE</td>
<td style="text-align: right">25.794.395</td>
<td style="text-align: right">24.301.088</td>
<td>0,00 €</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">28</td>
<td>sueddeutsche.de</td>
<td style="text-align: right">25.633.156</td>
<td style="text-align: right">23.995.509</td>
<td>-</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">29</td>
<td>WELT ONLINE</td>
<td style="text-align: right">25.084.620</td>
<td style="text-align: right">19.193.311</td>
<td style="text-align: left">1,59 €</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">30</td>
<td>COMPUTERBILD.de</td>
<td style="text-align: right">24.223.829</td>
<td style="text-align: right">14.514.991</td>
<td>-</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right"><em>31</em></td>
<td><em>tagesschau.de</em></td>
<td style="text-align: right"><em>23.600.000</em></td>
<td style="text-align: right"><em>22.700.000</em></td>
<td><em>0,00 € **</em></td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">32</td>
<td>N24 Online</td>
<td style="text-align: right">22.022.606</td>
<td style="text-align: right">19.400.972</td>
<td>0,00 €</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">33</td>
<td>n-tv.de</td>
<td style="text-align: right">20.842.299</td>
<td style="text-align: right">19.340.278</td>
<td>0,00 €</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">&#8230;</td>
<td>&#8230;</td>
<td style="text-align: right">&#8230;</td>
<td style="text-align: right">&#8230;</td>
<td>&#8230;</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">38</td>
<td>FAZ.NET</td>
<td style="text-align: right">19.821.505</td>
<td style="text-align: right">18.353.756</td>
<td>-</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">&#8230;</td>
<td>&#8230;</td>
<td style="text-align: right">&#8230;</td>
<td style="text-align: right">&#8230;</td>
<td>&#8230;</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">41</td>
<td>sat.1 online</td>
<td style="text-align: right">18.696.945</td>
<td style="text-align: right">13.435.674</td>
<td>-</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">&#8230;</td>
<td>&#8230;</td>
<td style="text-align: right">&#8230;</td>
<td style="text-align: right">&#8230;</td>
<td>&#8230;</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">44</td>
<td>stern.de</td>
<td style="text-align: right">17.242.619</td>
<td style="text-align: right">17.260.841</td>
<td>0,00 €</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">&#8230;</td>
<td>&#8230;</td>
<td style="text-align: right">&#8230;</td>
<td style="text-align: right">&#8230;</td>
<td>&#8230;</td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right">51</td>
<td>ZEIT ONLINE</td>
<td style="text-align: right">13.222.322</td>
<td style="text-align: right">10.974.261</td>
<td>-</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Zwei Anmerkungen zur Tabelle:<br />
* RTL.de bietet zwar keine App für Inhalte der eigenen Website an, ist aber mit diversen kostenlosen Apps für Teilangebote in Apples App Store vertreten (z.B. zur Sendung „Wer wird Millionär?“)<br />
** Die tagesschau.de-App existiert noch nicht, sondern wurde nur angekündigt.</p>
<p>Dass überhaupt ARD-Angebote in dieser Top-50-Liste auftauchen, mag manchen schon alleine deshalb bedrohlich erscheinen, weil viele private Content-Angebote von diesen Visit-Zahlen nur träumen können. Andererseits ist mit den Zahlen von ARD Online noch nicht die gesamten Reichweite der ARD-Onlinemedien erfasst, weil natürlich auch die einzelnen ARD-Anstalten eigene Websites unterhalten. Allerdings haben diese (von Ausnahmen wie Deutschlandfunk/Deutschlandradio abgesehen) eine regional klar umgrenzte Zielgruppe und können schon alleine deshalb nicht diese Visit-Werte erreichen. Vergleichbares Zahlenmaterial ist sicher recherchierbar, aber nicht an einem Sonntag Abend – und ich bezweifle auch, dass diese Angebote für diese Top50-Auswertung relevant wären.</p>
<p>Exakt zwei der Medienangebote in der Liste verlangen bislang Geld für ihre Apps: Bild.de und Welt Online. Die meisten anderen Medienhäuser bieten – wenn überhaupt – kostenlose Programme fürs iPhone an. Das folgende Schaubild zeigt, welche Reichweitenanteile (bezogen auf die komplette Internetnutzung) dem jeweils gegenüber stehen.</p>
<p><a href="http://blog.titusgast.de/files/2010/01/visits2009-11_ard-private31.jpg"><img class="size-full wp-image-523" src="http://blog.titusgast.de/files/2010/01/visits2009-11_ard-private31.jpg" alt="Gegenüberstellung der Visits führender deutscher Online-Medien und Apps, sortiert nach Angeboten." width="500" height="473" /></a></p>
<p>Die Spinger-Angebote alleine erreichen also mit ihren werbefinanzierten Webseiten bislang 22 Prozent der User, während die gebührenfinanzierten ARD-Gemeinschaftsangebote (darunter tagesschau.de) gerade einmal auf sechs (6) Prozent der Visits kommen. Nehmen wir nun mal an, alle privaten Content-Angebote, die bislang noch keine Apps anbieten, würden sich entscheiden, ebenfalls auf kostenpflichtige Apps und Paid Content nach dem Springer-Modell zu setzen, kämen diese zusammen mit Bild.de und Welt Online immerhin auf 39 Prozent der Visits in diesem Rechenspiel. Ähnliches könnten auch die privaten TV-Sender tun, die bislang keine Apps anbieten, macht weitere 24 Prozent, also insgesamt 63 Prozent. Kommerzielle Verlage, die ihre Inhalte über kostenlose Apps anbieten, kommen bislang auf 11 Prozent der Visits, bei den TV-Anbietern sind es 20 Prozent.</p>
<p>An dieser Stelle stellt sich also die Frage, warum die relativ reichweitenschwache ARD (mit ihren 6 Prozent der Visits) eine Bedrohung für den Wettbewerb sein kann, wenn die relativ reichweitenstarken Privatanbieter (insgesamt 31 Prozent der Visits), die ihre Apps ebenfalls kostenlos anbieten, dies zumindest nach derzeitigem Stand der Diskussion nicht sind. Doch Vorsicht mit diesen Zahlen: Wir reden hier ja nicht von tatsächlicher Reichweite über iPhone-Apps, sondern von Visits insgesamt. Die Zahlen, die sich durch solche Apps erreichen lassen, liegen um ein Vielfaches niedriger. Außerdem würde ich vermuten, dass iPhone- und iPod-Besitzer bestimmte Medienangebote lieber nutzen als andere – einfach weil beide Produkte sich eher an eine kaufkräftige, gebildete, technikaffine Zielgruppe richten. Sprich: Die Prozent-Zahlen sind eher nicht auf iPhone-Apps übertragbar.</p>
<p>Zurück zu den eigentlichen Fakten: Die Kritik an der Tagesschau-App geht davon aus, dass die ARD-Angebote an sich bereits eine gewisse Marktmacht im Internet erreicht haben, durch die private Nachrichtenangebote unter wirtschaftlichen Druck geraten. Deswegen schauen wir uns doch einfach mal genauer an, wie groß diese Macht eigentlich ist. Sortiert man die 50 reichweitenstärksten Online-Angebote in die Kategorien Verlage (Online-Medien von Print-Marken), private TV-Ableger (ohne sendereigene Community-Angebote und nicht direkt sendebegleitende Sites wie z.B. Wetter.com, Lokalisten, MyVideo, etc.) und nimmt noch die Zahlen anderer Online-Größen hinzu, die ich der besseren Lesbarkeit wegen in der Tabelle oben weggelassen habe, ergeben sich folgende Verhältnisse:</p>
<ul>
<li>Online-Medien von Print-Marken: 447.756.806 Visits (14,65%)</li>
<li>Online-Medien privater TV-Anbieter: 280.374.630 Visits (9,18%) ***</li>
<li>ARD Online (ohne tagesschau.de): 15.000.000 Visits (0,49%)</li>
<li>tagesschau.de: 22.700.000 Visits (0,74%)</li>
<li>Sonstige: 2.289.887.874 Visits (74,94%)</li>
</ul>
<p>In Prozent ausgedrückt und als lecker lesbarer Kuchen dargestellt, sieht das dann so aus:</p>
<a href="http://blog.titusgast.de/files/2010/01/visits2009-11_ard-private1.jpg"><img class="size-full wp-image-527" src="http://blog.titusgast.de/files/2010/01/visits2009-11_ard-private1.jpg" alt="Visit-Anteile privater und öffentlich-rechtlicher Internet-Angebote im Vergleich" width="500" height="613" /></a>
<p>Wir halten fest: tagesschau.de und alle anderen ARD-Gemeinschaftsangebote gehören zwar durchaus zu den 50 reichweitenstärksten Internet-Angeboten, bringen es aber gerade mal auf 0,49 Prozent + 0,74 Prozent = 1,23 Prozent der Visits. Im Vergleich dazu erreichen die in den Top 50 vertretenen privaten Verlagsangebote 14,65 Prozent der Gesamt-Visits. Private TV-Sites kommen auf 9,18 Prozent. Ja, dieser Vergleich hinkt. Denn das größte Stück des Kuchens sind ja sehr offensichtlich Communitys sowie Content-Bereiche von Internetprovidern (inklusive Portalen wie z.B. Yahoo, AOL, usw.). Andererseits: Communitys gehören oft Verlagen oder TV-Konzernen, müssten also streng genommen – es geht ja zumindest implizit um Marktanteile – diesen zugerechnet werden. Aber wir blenden das der Einfachheit halber (und damit zugunsten der ARD-Kritiker) mal kurz aus. Ebenso will ich hier nicht weiter auf das „Problem“ der Content-Seiten der Internetprovider eingehen. Nur soviel: Sie sind seltsamerweise noch nicht unter Beschuss geraten, obwohl sie seit sehr, sehr langer Zeit ihren durchaus sehr zahlreichen Mitgliedern und Kunden kostenlos Inhalte zur Verfügung stellen. Damit tragen sie ganz sicher auch zur vielgescholtenen „Gratis-Kultur“ bei und haben einen gewissen Einfluss auf den Markt der Online-Nachrichten. Jetzt tun wir aber einfach so, als gäbe es diese knapp 75 Prozent der Visits nicht. Dann ergäbe sich folgendes Bild:</p>
<p><a href="http://blog.titusgast.de/files/2010/01/visits2009-11_ard-private2.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-528" src="http://blog.titusgast.de/files/2010/01/visits2009-11_ard-private2.jpg" alt="Visit-Anteile nach Medienkategorien (Nov. 2009)" width="500" height="554" /></a></p>
<p>Aus den 1,23 Prozent der ARD-Gemeinschaftsangebote sind plötzlich satte 5 Prozent geworden, davon alleine 3 Prozent für tagesschau.de. 58 Prozent der Visits können redaktionelle Verlagsangebote für sich verbuchen, 37 Prozent die Websites der TV-Sender in diesen Top 50.</p>
<p>Ich glaube, es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, welche dieser Angebote das größere Potenzial haben, irgendwelche Märkte wie auch immer zu beeinflussen. Eigentlich dachte ich auch, nach den ähnlich aufgeregten, aber auch ähnlich faktenarm geführten Diskussionen um dem 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag hätten wir die Grundsatzdiskussionen darüber, was ARD und ZDF im Internet dürfen, erst mal überwunden. Anstatt vermeintlichen Konkurrenten Knüppel zwischen die Beine zu werfen, könnte man auch einfach still und unaufgeregt mit neuen Ideen und Geschäftsmodellen experimentieren und dabei womöglich sogar erfolgreich sein. Debatten wie diese aber führen weder zu neuen Einnahmen für Verlage, noch dienen sie dem Onlinejournalismus insgesamt. Sie lähmen und richten Schaden an, sie kosten unnötig Geld. Geld, das wir alle – egal ob Gebührenzahler, Verlage oder Journalisten – an anderen Stellen besser brauchen können.</p>
<p><em>Nachtrag, 8.1.2009, 20:33 Uhr:</em> Dass man dieses Thema auch völlig unaufgeregt analysieren kann und dabei noch auf ein paar ganz interessante Zusammenhänge aufmerksam wird, beweist <a href="http://www.zeit.de/2010/02/ARD-ZDF?page=all">Anna Marohn bei ZEIT Online</a>. Wer sich halbwegs ausgewogen über das Thema informieren möchte, Lesebefehl!</p>
<p><em>Disclaimer: Ich arbeite als Online-Redakteur für ein öffentlich-rechtliches Internetangebot.</em></p>
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		<item>
		<title>Preismodelle zum Abschrecken</title>
		<link>http://gastauftritt.net/2009/10/preismodelle-zum-abschrecken/</link>
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		<pubDate>Sun, 18 Oct 2009 10:48:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>titus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mediengedöns]]></category>
		<category><![CDATA[Netz]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich mag den Duden. Gestern hätte er mich beinahe auch gemocht. Denn er hätte Geld mit mir verdienen können. Genau genommen war es der Dudenverlag. Und ich hätte Wissen gewonnen. Eine klassische Win-Win-Situation. Doch dazu kam es nicht. Apple hatte mir einen Newsletter geschickt. Es gäbe da diese tolle neue Duden-App für mein Telefon. Ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich mag den <a href="http://www.duden.de">Duden</a>. Gestern hätte er mich beinahe auch gemocht. Denn er hätte Geld mit mir verdienen können. Genau genommen war es der Dudenverlag. Und ich hätte Wissen gewonnen. Eine klassische Win-Win-Situation. Doch dazu kam es nicht. <span id="more-504"></span></p>
<p>Apple hatte mir einen Newsletter geschickt. Es gäbe da diese tolle neue <a href="http://itunes.apple.com/WebObjects/MZStore.woa/wa/viewSoftware?id=324566194">Duden-App</a> für mein Telefon. Ich dachte mir: Mensch, so ein Duden in der Hosentasche, das hätte ja was! Dann könnte ich mir glatt die Anschaffung des entsprechenden Buches sparen, mein zweitliebstes Nachschlagewerk immer dabei haben und käme vielleicht auch schneller in den Genuss von Systemupdates, also Anpassungen des Regelwerks. Dann sah ich den Preis: 19,99 Euro. Wer meistens kostenlose Programme lädt oder welche, die vielleicht mal zwei Euro kosten, schluckt da natürlich erst mal. Andererseits: Es ist ja wahrscheinlich immer noch günstiger als das entsprechende Buch (das ich ja vielleicht doch gerne im Regal stehen haben würde) und die Software für den Rechner. Dachte ich. Beides ist nicht der Fall.<br />
Ich glaube, für berufsmäßige Schreiber &#8211; auch Onlineredakteure &#8211; zählt ein Duden zum Handwerkszeug. Auf meinem Büro-Schreibtisch steht sowieso ein Buch, nun hätte ich noch gerne eins für zu Hause und für dazwischen wäre die Hosentaschenvariante ideal. Die Rechnung lautet also (unabhängig davon, ob ich selbst oder Arbeitgeber oder Auftraggeber dafür bezahlen):</p>
<ul>
<li>2x <a href="http://www.duden.de/produkte/detail.php?isbn=978-3-411-04015-5">Buch „Duden &#8211; Die deutsche Rechtschreibung“</a> à 21,95 Euro = 43,90 Euro</li>
<li>1x <a href="http://www.duden.de/produkte/detail.php?isbn=978-3-411-06828-9">Software „Duden &#8211; Die deutsche Rechstschreibung“</a> oder <a href="http://itunes.apple.com/WebObjects/MZStore.woa/wa/viewSoftware?id=324566194">Applikation für iPhone/iPod touch</a> (bzw. andere mobile Plattformen, soweit vorhanden) = 19,99 Euro</li>
<li>Macht in der <strong>Summe: 63,89 Euro</strong></li>
</ul>
<p>Nur zum Vergleich: Wenn ich Software für die ganze Familie kaufe und mehre Versionen davon benötige, bekomme ich eine Art Mengenrabatt. Musiker verkaufen LPs mit Download-Gutscheinen. Aber wenn ich ein Nachschlagewerk gerne digital und analog hätte, muss ich es mir mindestens zwei Mal kaufen? Zum vollen Preis?</p>
<p>Lieber Dudenverlag, so wird das nichts. Ich werde auf mindestens eine dieser Investitionen verzichten und mir davon lieber schöne Musik kaufen. Einfach, weil ich für ein- und dasselbe Produkt mit zwei Verpackungen (die ich im Übrigen noch nicht mal gleichzeitig benutzen werde) nicht bereit bin, doppelt bezahlen. Es tut mir leid, wenn ich das so sagen muss, aber: Mit solchen Preismodellen wird das mit E-Books und Paid Content nichts.</p>
<p>Und: Nein, dass Zeitungen das mit ihren E-Paper-Versionen ähnlich handhaben, ist kein Argument.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Braucht das Internet überhaupt Journalismus?</title>
		<link>http://gastauftritt.net/2009/08/braucht-das-internet-uberhaupt-journalismus/</link>
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		<pubDate>Sat, 15 Aug 2009 09:49:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>titus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mediengedöns]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
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		<category><![CDATA[Onlinejournalismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Seit Jahren verfolge ich gerne so unselige Diskussionen wie die, ob Blogs die Zukunft des Journalismus sind, ob die Zeitung eine Zukunft hat oder ob Twitter der neue Journalismus ist, mit Amüsement und Unbehagen. Seit Jahren wundere ich mich darüber, wie eindimensional dabei immer gedacht und argumentiert wird: Hier die Journalisten, da die Blogger. Hier [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit Jahren verfolge ich gerne so unselige Diskussionen wie die, ob Blogs die Zukunft des Journalismus sind, ob die Zeitung eine Zukunft hat oder ob Twitter der neue Journalismus ist, mit Amüsement und Unbehagen. Seit Jahren wundere ich mich darüber, wie eindimensional dabei immer gedacht und argumentiert wird: Hier die Journalisten, da die Blogger. Hier die Zeitungen, dort das Internet. Hier Bezahlinhalte, dort alles kostenlos. <span id="more-493"></span>Fast immer stelle ich fest: Die Wahrheit &#8211; genauer: das, was ich dafür halte &#8211; liegt irgendwo dazwischen &#8211; oder es gibt ganz einfach beides. Anders gesagt: Nein, natürlich sind Blogs nicht pauschal die Zukunft des Journalismus, aber manche sind doch besser als alles, was irgendwelche Medienhäuser hervorbringen. Nein, natürlich stirbt die Zeitung nicht einfach so aus, aber viele Zeitungen werden sterben. Nein, natürlich ist Microblogging (um das ganze nicht auf einen Anbieter zu beschränken) kein neues journalistisches Medium, aber mit so einem Kommunikationskanal (und eben nicht Medium) lässt sich im Onlinejournalismus verdammt viel anstellen.</p>
<p>Solche Diskussionen sind fast immer fruchtlos, weil die jeweils eine Seite sich nicht in die andere hineinversetzen kann. Wer sein Leben lang Zeitungen und gedrucktem Papier vertraut hat, dem kann es eigentlich nur Angst machen, wenn plötzlich jeder alles irgendwo veröffentlichen kann und dann auch noch Menschen so was lesen. Wer als Journalist gelernt hat, dass er die Welt zu erklären und deuten hat und das Publikum gnädig lauscht, dem kann es doch nur Angst machen, wenn eben dieses Publikum auf einmal mitreden, sich einmischen, womöglich gar in der Sache kompetenter sein will. Umgekehrt gilt aber auch: Wer täglich mit dem Internet als Recherche- und als Veröffentlichungskanal umgeht, wer gelernt hat, wie einfach es ist, dort sowohl völligen Blödsinn als auch unfassbar Sinnvolles zu finden und zu produzieren, der hat auch ein Gespür dafür entwickelt, medialen Müll von billiger Recyclingware und die wiederum von den häufig zitierten und selten gefundenen Qualitätsinhalten zu unterscheiden. Mir kommt bei so was der etwas sperrige Begriff „Medienkompetenz“ in den Sinn.</p>
<p>In den letzten Tagen haben mich zwei Ideen zur Zukunft des Journalismus ernsthaft beschäftigt. Das eine ist so etwas wie <a href="http://betathoughts.wordpress.com/2009/08/10/projekt-postjournalismus/">eine Forschungsidee von Publizist und Kommunikationsberater Michel Reimon, der vom „Projekt Postjournalismus“ spricht</a>. Das andere ist eine Idee von Falk Lüke (<a href="http://www.falk-lueke.de/index.php/uber-den-autor/">dessen Beruf sich schwer in zwei knackige Worte fassen lässt</a>): <a href="http://www.falk-lueke.de/index.php/2009/08/14/journalismus-im-internet-1-intelligenter-veroffentlichen/">Er versucht (so wie ich das verstehe), die Frage zu klären, wie intelligenter Journalismus im Internet denn idealerweise aussehen müsste, wenn man mal versucht, nicht an seine gelernten Traditionen und wirtschaftlichen Zwänge zu denken</a>.</p>
<p>Beide Denkansätze sind grundverschieden, werfen aber eigentlich die gleichen Fragen auf, die an immer mehr Stellen im Netz und bisweilen auch im richtigen Leben mal lauter, mal leiser zu hören ist: Was machen Journalisten eigentlich in Zukunft? Was machen sie, wenn ihre Arbeit &#8211; recherchieren, berichten, einordnen &#8211; auch von anderen gemacht werden kann? Wofür braucht dieses Internet Journalisten?</p>
<p>Wir leben in einer Welt, in der im Prinzip jeder veröffentlichen kann, was er will. Qualität ist dabei keine Frage der Ausbildung, sondern von Talent, Willen und erlernten Fähigkeiten. Es gibt Amateure, die großartige Inhalte schaffen, und Journalisten, die grandiose Peinlichkeiten produzieren. Ich kann mich auch als ganz privater Blogger an den <a href="http://www.presserat.info/pressekodex.0.html">Pressekodex</a> oder ähnliche Regeln halten (und wenn ich ernst genommen werden will, sollte ich das vielleicht sogar). Ich kann solche Regeln als Journalist aber auch systematisch ignorieren (Beispiele dafür finden sich haufenweise bei <a href="http://www.bildblog.de/">Bildblog</a> und <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/">Stefan Niggemeier</a>). Will heißen: Eigentlich macht der Beruf, was die reine Produktion von Inhalten betrifft, keinen Unterschied.</p>
<p>Früher bestand die Rolle eines Journalisten darin, Berichtenswertes zu finden und darüber zu berichten, weil die Öffentlichkeit sich die Informationen nicht aus erster Hand holen konnte. Das kann sie jetzt oft. Insofern könnte sich der Journalist im Grunde darauf beschränken, das, worüber er früher berichtet hätte einfach zu verlinken. Daneben bliebe dann noch ein bisschen Zeit, selbst über interessante Dinge zu berichten, und darauf zu hoffen, dass das auch andere berichtenswert finden und verlinken. Aber ob das dann noch ein Beruf ist?</p>
<p>Vielleicht lautet die Antwort auch: Das Internet braucht Journalismus, aber nicht zwangsläufig Journalisten.</p>
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		<item>
		<title>Die Lagunenfischer von Caorle</title>
		<link>http://gastauftritt.net/2008/12/die-lagunenfischer-von-caorle/</link>
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		<pubDate>Sat, 06 Dec 2008 23:19:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>titus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[caorle]]></category>
		<category><![CDATA[Fotografie]]></category>
		<category><![CDATA[Italien]]></category>
		<category><![CDATA[reise]]></category>
		<category><![CDATA[reportage]]></category>
		<category><![CDATA[venetien]]></category>

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		<description><![CDATA[Eigentlich sollte das Internet so was wie ein riesiges Archiv sein. Vielleicht ist diese Vorstellung ein bisschen naiv. Denn manche Dinge verschwinden einfach aus dem Netz. Dumm ist, wenn es sich dabei um eigene Artikel handelt, die einem irgendwie wichtig waren. Zum Beispiel Geschichten, von denen ich einfach denke, dass sie weiterhin erzählt werden sollte. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2008/12/bhb_fahrt2_500.jpg"><img src="/wp-content/uploads/2008/12/bhb_fahrt2_500.jpg" alt="Fahrt durch die Lagune" width="500" height="250" /></a></p>
<p>Eigentlich sollte das Internet so was wie ein riesiges Archiv sein. Vielleicht ist diese Vorstellung ein bisschen naiv. Denn manche Dinge verschwinden einfach aus dem Netz. Dumm ist, wenn es sich dabei um eigene Artikel handelt, die einem irgendwie wichtig waren. Zum Beispiel Geschichten, von denen ich einfach denke, dass sie weiterhin erzählt werden sollte. Ich hatte zum Beispiel vor über einem Jahr das Glück, so eine Art widerspenstiges gallisches Dorf auf einer kleinen Insel der Glückseligen in einem Meer aus Massentourismus kennenzulernen. Ich hatte den Menschen dort versprochen, anderen von ihrer Idee für eine andere Art von Tourismus an der oberen Adriaküste zu erzählen. Das Internetportal, wo ich das ursprünglich getan habe, ist inzwischen verschwunden. Nicht verschwunden sind der Text und die Bilder von damals.<br />
<span id="more-488"></span></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-462" src="/wp-content/uploads/2008/12/bhb_boot_500.jpg" alt="Bragozzo heißt das traditionelle Schiff der Lagunenfischer in Venetien" width="500" height="375" /></p>
<p>Caorle, Italien, Juli 2007 – Stärker könnte der Kontrast nicht sein: Eben waren wir noch am quirligen Strand von Caorle. Obere Adriaküste, Venetien, typisch Teutonengrill. Und nun das: Eine Straße endet im Nichts, ich steige zusammen mit den anderen aus unserer Journalistengruppe mitten im hohen Schilf aus dem Bus, und dann sind da diese Boote aus schwarz lackierten Planken mit bunter, farbenfroher, fast frivoler Bemalung. „Bragozzo“ heißt dieses traditionelle Boot der Lagunenfischer von Caorle.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-462" src="/wp-content/uploads/2008/12/bhb_schild_500.jpg" alt="Wegweiser nach Caorle im Wasser" width="500" height="375" /></p>
<p>Das Boot tuckert durch den Canale Saetta Richtung Meer. Die Kanäle, die durch mindestens mannshohe Schilfgürtel und Uferwälder führen, sind buchstäblich Wasserstraßen: Das zeigen schon alleine die Schilder, die ab und zu mitten im Wasser auftauchen, wenn sich nach links oder rechts ein weiterer Kanal öffnet, der noch tiefer in die Lagune führt. Links geht&#8217;s nach Caorle zurück, rechts nach Bibione.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-462" src="/wp-content/uploads/2008/12/bhb_kamin_500.jpg" alt="Fahrt durch die Lagune: Haus mit großem Kamin an der Außenseite" width="500" height="375" /></p>
<p>Die Kanäle in der weit verzweigten Lagunenlandschaft waren einmal Lebensadern für alle Menschen, die hier wohnten. Heute sind sie es immer noch – für die Fischer und unzählige Tierarten. Es geht nun vorbei an kleinen Häuschen, die plötzlich aus dem Schilf auftauchen, mit riesigen Kaminen, und immer wieder finden sich Schleusen für die Bewässerungsanlagen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-462" src="/wp-content/uploads/2008/12/bhb_fahrt3_500.jpg" alt="Fahrt durch die Lagune" width="500" height="375" /></p>
<p>In der Lagune mischt sich das Süßwasser der Flüsse aus dem Hinterland mit dem Salzwasser aus dem Meer. Dadurch leben in diesen riesigen Feuchtgebieten und seinen Brackwassern auch besondere Tiere, und zwar sowohl unter der Wasseroberfläche als auch auf dem Wasser und den Inseln. Immer wieder ziehen auf der Fahrt Schwanfamilien mit ihren kleinen, braunen Jungen und andere Wasservögel vorbei. 150 Vogelarten leben hier, darunter auch Enten- und Gänsearten, die es sonst nirgends gibt, sowie verschiedene Fasane. Und nicht zu vergessen die wilden Ziegen, die sich auf Valle Vecchia in einer kleinen Gruppe halten konnten; „caprulae“ nannten sie die Römer – später wurde daraus der Ortsname Caorle.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-484" src="/wp-content/uploads/2008/12/bhb_titus-dionisio_500.jpg" alt="Fischer Dionisio (rechts) im Gespräch mit mir" width="500" height="375" /></p>
<p>Lagunenfischer stellt man sich ungefähr so vor: klein, schmächtig, bärtig, verbrannte Haut, tief zerfurchtes Gesicht,  graue Haare, verwitterte Mütze, wortkarg und misstrauisch gegenüber Touristen. Dionisio ist anders: Er wirkt jugendlich, ist kräftig, gut rasiert,   hat dunkelbraune Haare und seine Hautfarbe wirkt ungefähr so, als würde er einem x-beliebigen Bürojob nachgehen. Vor allem aber redet er reichlich, denn es geht um sein Leben: Es ist ein Leben abseits von Strandzirkus und Rundumbespaßung für sonnenhungrige Nordeuropäer, das karge, traditionelle Leben der Lagunenfischer.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-480" src="/wp-content/uploads/2008/12/bhb_netze_500.jpg" alt="Fischernetze sind zum Trocknen aufgehängt" width="500" height="375" /></p>
<p>Von den 50 Fischern, die hier arbeiten, gehen nur noch 15 hauptberuflich dem alten Handwerk nach. „Viele kombinieren Lagunen- und Meeresfischerei und arbeiten dann abwechselnd hier und draußen auf dem offenen Meer“, erzählt Dionisio. Auch er hat das lange gemacht. Jahrelang ist er um zwei Uhr morgens rausgefahren, Feierabend war erst abends um Acht. Hier in der Lagune ist das ein bisschen anders: „Den Dienstplan machen die Gezeiten“, erklärt er, denn Ebbe und Flut scheuchen die Fische auf, dann werfen die Fischer die Netze aus.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-463" src="/wp-content/uploads/2008/12/bhb_boote_500.jpg" alt="Traditionelle Boote im Fischerdorf" width="500" height="375" /></p>
<p>Es ist ein Gebiet in ständiger Veränderung, erklärt Dionisio: Die Lagune versandet, und dadurch gibt es auch immer weniger Fische, weil sich das Wasser nicht so schnell austauscht. Das andere Problem ist: Von der Fischerei alleine kann hier keiner vernünftig leben. Es reicht nicht, um eine Familie zu ernähren. Auch deshalb machen sie jetzt diese Touren: „Wir sehen diesen Beruf auch als einen Beitrag zum Umweltschutz. Deswegen sind wir gerade dabei, eine Kooperative zu gründen, die diese Fahrten durch die Lagune für Touristen veranstaltet.“ Ihre Welt zeigen, und die Schätze, die es darin gibt.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-486" src="/wp-content/uploads/2008/12/casoni-pano_500.jpg" alt="Casoni, die typischen Schilfhütten der Fischer von Caorle" width="500" height="375" /></p>
<p>Wie eine Fata Morgana tauchen auf einmal diese Schilfhütten auf der Isola dei Pescatori auf. Das sind sie, die „casoni“, von denen einst Hemingway berichtete und wo der amerikanische Schriftsteller lange bei und mit den Fischern lebte: Einfache Hütten, komplett aus Schilf, die ein wenig aussehen wie längliche Wigwams. Es ist, als würde man plötzlich in eine andere Welt eintauchen, die Welt der Eingeborenen der Lagune.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-487" src="/wp-content/uploads/2008/12/casoni4_500.jpg" alt="Cason aus der Nähe" width="500" height="375" /></p>
<p>Früher war das hier ein richtiges kleines Dorf, mit Frauen, Kindern, Alten – und eben mit Männern, die morgens früh rausfuhren, um für Essen zu sorgen. Etwa 15 Casoni stehen noch auf der Insel, einst waren sie die Heimat von etwa 50 Menschen. „Heute lebt niemand mehr fest in den Casoni, wir nutzen sie nur für die Arbeit“, erklärt Dionisio.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-464" src="/wp-content/uploads/2008/12/bhb_cason-feuer_500.jpg" alt="Feuerstelle im Cason" width="500" height="375" /></p>
<p>Ein Blick ins Innere der Casoni zeigt: So ganz hat die Moderne vor diesem versteckten Fleckchen Niemandsland zwischen Meer und Festland auch nicht Halt gemacht: Der Boden der Schilfhäuser ist mittlerweile zementiert, sonst würde er von unten her aufweichen. Auf etwas mehr als 20 Quadratmetern lebten hier früher um die 15 Menschen, verschiedene Generationen unter einem Dach – und in einem Raum. Im Zentrum steht der Ofen, eine offene Feuerstelle ohne Abzug.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-466" src="/wp-content/uploads/2008/12/bhb_cason-schwaene_500.jpg" alt="Schwäne vor Cason" width="500" height="375" /></p>
<p>Dass es keinen Kamin gibt, hat durchaus seinen Zweck, erzählen die Fischer: So kann der Rauch durch die Schilfrohre nach oben ziehen und imprägniert zusammen mit dem Fett vom Essen die Schilfrohre. Nur so bleiben sie dauerhaft dicht. Allerdings ist diese Konstruktion auch leicht entzündlich. Wenn der Blitz einschlägt oder jemand eine Zigarettenkippe nicht ordentlich ausmacht, dann brennt schnell das ganze Cason lichterloh. Erst einen Monat zuvor ist eines abgebrannt, berichten die Fischer.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-478" src="/wp-content/uploads/2008/12/bhb_madonna_500.jpg" alt="Madonna mit Schilfhütte im Hintergrund" width="500" height="375" /></p>
<p>Die bislang größte Katastrophe brach im Jahr 1980 über die Fischerinsel herein: Ein großer Brand zerstörte viele der Schilfhäuser. Heute erinnert daran eine Art offene Kapelle – eine Madonnenstatue in einem kleinen, umzäunten Gärtchen. Die Freiluftkapelle haben die gläubigen Fischer damals errichtet, damit Maria sie künftig vor ähnlichen Unglücksfällen verschont.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-481" src="/wp-content/uploads/2008/12/bhb_nixe_500.jpg" alt="Bild einer Nixe am Eingang zu einem der Casoni" width="500" height="375" /></p>
<p>Ein Rundgang durch das Fischerdorf führt vorbei an Netzen, die die Fischer zum Trocknen aufgehängt haben, ein Stück weiter flicken sie sie, wie sie das seit Jahrhunderten tun. Links und rechts liegen kleine Gärten, vom Weg getrennt durch krumme Zäune. Neben der Tür zu einem Cason grüßt uns eine farbenfrohe nackte Nixe, die andere Seite neben der Tür ist komplett mit privaten Fotos tapeziert. Manche sind schon vergilbt, aber das ist so Tradition hier. In den Hütten der älteren Fischer zeigen die Fotos auch den Mann, der immer wieder hier auf Entenjagd ging und der dieser Lagunenwelt ein literarisches Denkmal gesetzt hat: Ernest Hemingway.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-468" src="/wp-content/uploads/2008/12/bhb_casoni-gigi_500.jpg" alt="Lagunenfischer Gigi an der Anlegestelle" width="500" height="375" /></p>
<p>Auf der anderen Seite des Landestegs führt eine Brücke über Brackwasserkanäle und Schilf. In den Gärten daneben suchen ein paar Hühner nach Körnern. Leben doch noch Menschen fest hier? „Die gehören Gigi“, erklärt Dionisio, „der verbringt fast den ganzen Sommer hier draußen.“ Doch auch Gigi sieht man seinen Beruf nicht an, genausowenig wie man vermuten würde, dass er in einer Schilfhütte lebt: Er ist etwa 1,80 groß, durchtrainiert und muskulös, der Kopf rasiert, dazu trägt er eine dunkle Sonnenbrille und hat ein nagelneues Designerhandy. In einer x-beliebigen italienischen Großstadt würde er weniger auffallen als hier.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-471" src="/wp-content/uploads/2008/12/bhb_casoni2_500.jpg" alt="Casoni im Fischerdorf" width="500" height="375" /></p>
<p>Fischer wie Gigi und Dionisio wollen aber nicht nur Journalisten und Tagestouristen ihr Zuhause zeigen, sie haben größere Ideen: Sie möchten gerne die einzigartige Naturlandschaft der benachbarten Insel Valle Vecchia erlebbar machen. „Auf der Insel wollen wir auch ein Museum einrichten, um die Erinnerungen zu bewahren.“</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-479" src="/wp-content/uploads/2008/12/bhb_moewe_500.jpg" alt="Möwe auf einem Wegweiser zu einer Gaststätte" width="500" height="375" /></p>
<p>Fischerkurse soll es geben, die Touristen sollen in den Casoni übernachten, unter freiem Himmel frischen Fisch aus der Lagune grillen und Exkursionen in die Kanäle und auf die Laguneninseln machen. Erlebnistourismus mit Öko-Anspruch, nicht weniger und nicht mehr.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-469" src="/wp-content/uploads/2008/12/bhb_casoni-insel_500.jpg" alt="Laguneninsel der Fischer" width="500" height="375" /></p>
<p>Mit kleinen Gruppen haben sie das schon ausprobiert, aber damit es sich wirklich lohnt, müsste man regelmäßig Übernachtungen anbieten können und auch eine Art Restaurant betreiben dürfen. Die Nachfrage wäre da, denn die überwiegend deutschen und österreichischen Touristen in Caorle wären umweltbewusst genug, um sich auch für solche Angebote zu interessieren, da sind sich die Fischer ganz sicher. Doch die Gemeinde spielt nicht mit. Dionisio sucht bei diesem Thema sichtbar nach Worten: „Das ist schwierig. Die hat andere Ziele.“ Das ist diplomatisch, aber eindeutig. Nun hoffen sie auf Unterstützung durch die Region Venetien und die EU.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-483" src="/wp-content/uploads/2008/12/bhb_strandleben_500.jpg" alt="Strand von Caorle" width="500" height="375" /></p>
<p>Nach einer kurzen Fahrt im Boot um die Fischerinsel herum kommen wir an einem bizarren Ort an: Ein Kanal der Lagune mündet ins offene Meer. Links ist die Insel Valle Vecchia. Rechts ist der Strand von Caorle. Links wilde Natur, die nur echte Liebhaber mit dem Boot oder dem Fahrrad erreichen, rechts das quirlige Strandleben mit Sonnenschirmen, Liegestühlen und Handtuch an Handtuch.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-485" src="/wp-content/uploads/2008/12/bhb_vallevecchia_500.jpg" alt="Laguneninsel Valle Vecchia" width="500" height="375" /></p>
<p>Valle Vecchia ist auf Dutzende Kilometer westlich und östlich der einzige Küstenabschnitt, der noch wild und naturbelassen ist: Keine festen Häuser, keine quirligen Strandbäder, keine Heerscharen von Touristen. Wer hierher kommt, sucht Ruhe und Natur. Würde dieses wilde Biotop verschwinden, wäre das nicht nur das Aus für die Fischer, sondern es würde auch ein einzigartiges Ökosystem verschwinden, erklärt Dionisio.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-467" src="/wp-content/uploads/2008/12/bhb_casoni-bruecke_500.jpg" alt="Holzsteg im Fischerdorf" width="500" height="375" /></p>
<p>Die Angst der Fischer ist nicht, dass Touristen kommen und dort baden – das sollen sie sogar. Die Angst ist, dass mit ihnen erst die Kioske und Duschen, dann die  Hotels, Diskotheken und Menschenmassen kommen. Es stand schon mal ein Kiosk da, erzählt Dionisio: „Den haben wir zerstört.“ Einen militanten Umweltschützer stellt man sich anders vor, nicht diesen bedächtigen Familienvater. „Sogar einen Yachthafen wollen sie hier bauen, eine ganz und gar verrückte Idee ist das!“ Man merkt ihm an, dass ihm noch weitaus kraftvollere Ausdrücke einfallen würden, aber dazu ist er zu gut erzogen.</p>
<p><em>Wer überprüfen möchte, ob das alles so stimmt, wie ich es hier aufgeschrieben habe, der kann und sollte das gerne tun: Die Ausflüge in die Lagune von Caorle werden organisiert von der <a href="http://www.limosa.it/">Naturschutzkooperative Limosa</a>.</em></p>
<p>Text: Titus Gast – Fotos: Barbara H. Boesmiller</p>
<p><em>Disclaimer: Der Text erschien im Herbst 2008 auf dem Italien-Portal von Tiscali Deutschland, ist dort aber nicht mehr abrufbar. Der Termin bei den Lagunenfischern war Teil einer Pressereise, bei der im Juli 2007 Reisejournalisten aus Europa und den USA von der Region Venetien für einige Tage nach Venedig und Jesolo eingeladen wurden. Das sollte erwähnt werden – auch wenn es meine Sichtweise auf die Anliegen der Fischer nicht wirklich beeinflusst hat.</em></p>
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